Montag, 5. Juli 2021

Das Europäische Weinrecht wird verändert




Der Klimawandel hat auch Auswirkungen auf den Wein. Denn steigende Temperaturen führen zu einem höheren Alkoholanteil im Wein. Weine mit einem Alkoholgehalt von 13, 14 oder gar 15 % sind längst die Regel. Für viele Weingenießer sind das zu viele Prozente. Einige Weinbauverbände machten sich deshalb - aus Sorge um ihre Umsätze - bei der Europäischen Union für ein Gesetz stark, das Verfahren erlaubt, mit denen hochprozentigen Weinen ein Teil ihres natürlich enthaltenen Alkohols entzogen werden kann. Jetzt reagiert die EU mit einer Gesetzesänderung auf diese Forderungen. Sie erlaubt folgende Verfahren:


Das Vakuum-Verfahren
hierbei verdampft Alkohol bei 27° C. Viele der im Wein enthaltenen Aromen bleiben dabei erhalten.

Die Umkehrosmose bzw. das Dialyse-Verfahren
Dem Wein wird mittels eines feinen Membran-Filters nicht nur der Alkohol, sondern auch viele Geschmacks-und Aroma-Stoffe entzogen.

Die Dünnschicht-Verdampfung
Dabei verdampfen Alkohol und alle Aromen bei 78° C. 


Am Ende dieser drei Verfahren stehen Weine, die mit dem Original hinsichtlich Bukett und Geschmack nicht mithalten können. Um diesem nahezukommen, werden künstliche Aromen zugesetzt.

Einfacher wäre es, die Wirkung des Alkohols im menschlichen Körper zu reduzieren, indem man während seines Konsums zwischendurch ein Glas Wasser trinken würde.

 

Mehr Informationen dazu finden Sie unter: https://www.deutscheweinakademie.de/wine-in-moderation/initiative


Eine weitere Änderung betrifft die Kennzeichnung von Wein

Auf Weinetiketten muss künftig der Energiewert (kcal) angegeben werden, und eine Zutaten-Liste wie bei Lebensmitteln in Form von QR-Codes wird zur Pflicht. 


Herzliche Grüße

Erich Hartl



Sonntag, 2. Mai 2021

Bordeaux erneut in den Schlagzeilen

Erich Hartl hartl@weinpur.de http://www.biowein-pur.de/

Coraline und Victor Moreaud vom Château Cormeil Figeac in Saint Emilion haben mit einer Schulklasse Sträucher und Hecken im Weinberg gepflanzt.


Valerie Murat, die französische Anti-Pestizid-Aktivistin, wurde letzte Woche vor der Zivilkammer in Libourne wegen Verleumdung zu einer Geldstrafe von 125.000 Euro verurteilt.

Murat und ihre Organisation „Alerte aux Toxiques“ hatten Ende 2020 die Analysedaten von 22 Weinen veröffentlicht, die dem Verband „Haute Valeur Environmentale“ (integrierter Weinbau) angehören. Das beauftragte Labor hatte 28 verschiedene Substanzen gefunden mit teils krebserregenden, teils hormonellen oder erbgutverändernden Wirkungen. Im Schnitt fanden sie acht verschiedene Pestizide je Flasche.

Der Verband der Bordeaux-Weingüter CIVB und einige der betroffenen Weingüter forderten vor Gericht Schadenersatz. Valerie Murats Anwalt kündigte nach dem Urteil Berufung an.

Das Verfahren wirft erneut kein gutes Licht auf Bordeauxweine. Die anhaltende Debatte über den Pestizid-Einsatz im Prestigegebiet Bordeaux führt aber auch zu stetig steigenden Verkaufszahlen für Biowein aus dem Bordeaux und veranlasst viele Winzer dazu, auf biologischen Weinbau umzustellen.

Wie sich Biowinzer bemühen nicht nur gute Weine zu erzeugen, sondern auch die Monotonie der Monokultur Wein zu durchbrechen, zeigen Coraline und Victor Moreaud vom Château Cormeil Figeac in Saint Emilion. Zusammen mit Schulklassen pflanzen sie Hecken und Bäume mitten in ihre Weinberge. Ein solches Engagement stimmt zuversichtlich für die Zukunft.


Herzliche Grüße

Erich Hartl



Dienstag, 16. Februar 2021

Wein bewußt kaufen und genießen

Erich Hartl hartl@weinpur.de http://www.biowein-pur.de/

Bewusst entscheiden - Bewusst genießen - Bewusst verzichten - das ist die Botschaft! Bild: Yvonne Berardi


Mit dem Informations- und Aufklärungsprogramm „Wine in Moderation" hat sich der europäische Weinsektor bereits 2007 im Rahmen der "EU-Strategie zur Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Verringerung alkoholbedingter Schäden" gegenüber der EU-Kommission verpflichtet, über gesundheitliche Gefahren des Missbrauchs zu informieren, um nicht zuletzt auch restriktiven Maßnahmen zu begegnen.

Dieser Initiative haben wir uns angeschlossen, weil sie für bewussten Genuss von Wein steht, so wie wir das bereits seit 1983 tun. Es geht um die Wertschätzung eines Produkts,  das mit großem Aufwand erzeugt wird um möglichst großen Genuss zu bieten, das jedoch bei übermäßigem Genuss  gesundheitliche Risiken in sich birgt.

Da ist zunächst der Klimabedingte, zunehmende  Alkoholgehalt in allen Weinen, dem Sie mit einem angepassten Trinkverhalten begegnen können. 
Machen Sie es wie unsere Nachbarn in West- und Südeuropa, wo ein Gläschen Wein regelmäßiger Begleiter von Speisen ist, ebenso wie Wasser, das im Restaurant und zuhause auf dem Tisch steht.

Es kann die Geschmacksknospen im Mund neutralisieren, das Geschmacksempfinden sowohl für die Speisen als auch für den Wein  steigern, sowie die Wucht des Alkohols für Ihre Leber reduzieren.
Doch es ist nicht nur der im Wein enthaltene Alkohol, der zu berücksichtigen ist, es sind auch die Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in konventionell erzeugten Weinen, die schädlich sein können.

Bewusst entscheiden - Bewusst genießen - Bewusst verzichten - das ist die Botschaft! Nur so passen Wein und Sekt in eine moderne bewusste Lebensweise. 
Auf der Internetseite von „Wine in Moderation“ finden Sie zahlreiche wissenschaftliche Forschungsergebnisse wonach die lebenslang moderaten Genießer die beste Perspektive haben, lange gesund zu bleiben.


Herzliche Grüße

Erich Hartl

hartl@weinpur.de

www.biowein-pur.de


Montag, 30. November 2020

Nachhaltigkeit, Ökologie, Fair Trade, Sozialstandards, biologische Landwirtschaft und Qualität

Erich Hartl hartl@weinpur.de http://www.biowein-pur.de/

Kurz vor der Lese. Bild: Yvonne Berardi


Wie viel steckt hinter diesen Begriffen tatsächlich?  Einen Grund, darüber nachzudenken hatte ich, als ich für einen Kunden 5.000 Liter weißen, relativ neutral schmeckenden Bioweißwein finden sollte, der zur Zubereitung eines Glühwein/Punschähnlichen Getränks für Weihnachtmärkte geeignet sein sollte.


Auf Anfrage erhielt ich von der Bodegas Mundo de Yuntero, einer Genossenschaft mit mehr als 5.000 Hektar Weinbaufläche ein Preisangebot über € 0,52 für den Liter. Ein ähnlich großer Betrieb bot Mengenabhängige Preise an und zwar € 0,48 für 5.000 l, € 0,38 für 10.000 l und 0,28 für 30.0000.


Nach Abzug der Betriebskosten der Genossenschaft kann für Weinbauern (Besitzer der Weinberge) und deren Mitarbeitern, kaum noch etwas übrig bleiben.  Bald werden sie gezwungen sein, den letzten ungenutzten Grünstreifen, den letzten Strauch und Baum zu entfernen um noch mehr Reben zu pflanzen.


Angenommen, wir würden so verfahren wie es einige größere Importeure tun und 30.000 l eines solchen Weines nach Deutschland transportieren, in 0,75 l Flaschen abfüllen und etikettieren lassen, dann könnten wir ihn -  je nach optischer Aufmachung des Flaschenetiketts -  zu einem Durchschnittspreis von  € 4,75/Flasche 0,75 l  verkaufen.  


Sie würden also für eine Flasche Wein, deren Inhalt nur € 0,21 wert ist € 4,75 bezahlen. In diesem Fall sind Kosten für den Transport von Spanien nach Deutschland und innerhalb Deutschlands mit € 0,82 fast 4 Mal so hoch wie die Kosten für den Wein. Oder, um das Missverhältnis noch anschaulicher zu machen: Bei einem Flaschenpreis von € 4,75 sind € 0,21 (4,5 %) für den Wein und € 4,54 ( 95,5 %) für Flasche, Kork, Etikett, Flaschenkapsel, Flaschenfüllung, Transporte, Lagerhaltung und Gemeinkosten, Vertrieb und Gewinn des Händlers. 


Nehmen wir einmal an, der Weinbauer erhielte 2/3 des Verkaufspreises der Genossenschaft von € 0,19 pro Liter. Wenn er 100 hl/Hektar erzeugt, eine in Spanien übliche Menge für schwache Weine, dann würde er pro Hektar einen Ertrag von € 190,00 und bei 100 Hektar von € 19.000/Jahr erzielen. Wenn er keine anderen Einnahmequellen hätte, könnte er davon nicht leben. Er könnte eine so große Fläche weder selbst bearbeiten, noch Arbeitern einen fairen Lohn bezahlen. Zum Vergleich: in Deutschland leben viele Winzerfamilien von Weinbergen mit weniger als 10 Hektar, vorausgesetzt sie erzeugen ordentliche Weine und verkaufen nicht im Tank.


Die anfangs gestellte Frage, wie viel Nachhaltigkeit, Ökologie, Fair Trade, Sozialstandards, biologische Landwirtschaft und Qualität in solch billigen Weinen enthalten ist, können Sie sich selbst beantworten.


Wir ziehen daraus den Schluss, jetzt keine Weine mehr anzubieten, die weniger als ca. € 7,00 kosten, denn darunter ist es keinem Winzer möglich, ein Mindestmaß an Standards einzuhalten, die wir von einem Biowein erwarten. Für Weine aus biodynamischem Weinbau sind wir bereit auch mehr zu bezahlen.


Herzliche Grüße

Erich Hartl


hartl@weinpur.de

www.biowein-pur.de



Dienstag, 29. September 2020

Biowein in Flaschen oder in Bag in Box?

Erich Hartl hartl@weinpur.de http://www.biowein-pur.de/

Wenn Sie beim Weinkauf sparen möchten ohne auf Qualität zu verzichten, dann kann ich den Kauf von  Biowein in Bag in Box (auch als Weinschlauch bekannt) sehr empfehlen. Sie sollten nur darauf achten, dass es sich um Qualitätsweine handelt. Die sind an den Kürzeln, QBA, AOC, AOP, DOC oder DO zu erkennen. Für diese Auszeichnungen sind ganz bestimmte Rebsorten, eine Obergrenze für die Erntemenge und eine Qualitätsprüfung vorgeschrieben. Wenn diese Weine dann noch direkt auf dem Weingut abgefüllt, sind Sie auf der sicheren Seite. So ist es beispielsweise bei den Weinen des Château Rioublanc und der Domaine Julien de l'Embisque,  die identische Bioweine sowohl in Flaschen als auch in Bag in Box abfüllen.

Wenn es sich um Tafel- oder Landwein handelt, kaufen Sie besser niemals Weine in Bag in Box unbekannter Herkunft, denn hierbei handelt es sich um Weine die keinerlei Vorschriften und Kontrollen unterliegen und von Händlern für 20.30 Cent/Liter eingekauft werden, meist kurz vor der Weinlese, wenn die Winzer ihre Weintanks leeren müssen.

Anders verhält es sich, wenn Sie Bio-Tafelweine oder Bio-Landweine in Bag in Box kaufen, die beim Erzeuger abgefüllt wurden, beispielsweise bei der Quinta do Montalto, wo die Weine regelmäßig erzeugt und abgefüllt werden. Zur Zeit kostet der Liter im 3 l Bag in Box € 4,65

Ein Château Rioublanc, Bordeaux AOC, rot in 0,75 l Fl. kostet pro Liter €  11,73. Derselbe Wein in 10 l Bag in Box kostet pro Liter nur € 6,95. Ähnlich verhält es sich beim Julien de l’Embisque Côtes du Rhône AOC, wo der Liter in der Flasche € 14,60 und im 5 l Bag in Box € 7,90 kostet.

Warum sind die Preisunterschiede zwischen Biowein in Bag in Box und in Flaschen so groß?

  • Bag in Box: je größer die Verpackungseinheit, umso niedriger sind die Kosten des Verpackungsmaterials und des Arbeitsaufwands.
  • Für die Abfüllung sind keine teuren Abfüllmaschinen, die mehrere hunderttausend Euros kosten, erforderlich.
  • Die Transportkosten für Wein in Bag in Box vom Erzeuger bis zum Verkaufspunkt sind aufgrund ihres niedrigeren Gewichts um 40 % geringer.
  • Kosten eines Versandkartons für Bag in Box (ohne Innenverpackung) pro Liter € 0,15
  • Kosten eines Versandkartons für Wein in Flaschen inklusive Innenverpackung  pro Liter € 0,50.
  • Versandkosten pro Versandkarton (max 32 kg) betragen € 6,00, das entspricht € 0,20/l bei 30 l.
  • Versandkosten pro Versandkarton (max 32 kg) betragen € 6,00, das entspricht einer Anzahl von 18 Fl. bzw. 13,5 l, also € 0,33/Fl. oder € 0,44/l.
  • Schließlich müssen wir für die umweltfreundliche Entsorgung von Verpackungsmaterialien bezahlen. Da Folien und Kartonagen leichter als Glas sind, sind die Kosten für Bag in Box-Verpackungen geringer.

Es geht mir mit dieser Erklärung nicht darum, Sie zu Kauf von Biowein in Bag in Box zu animieren, sondern Sie darüber zu informieren, mit welchen Tricks in der Weinbranche gearbeitet wird. Diesem Umstand ist auch das negative Image von Wein in Bag in Box zu verdanken. Beide Verpackungsarten bieten Vor- und Nachteile die abzuwägen sind. Doch bevor Sie aus Kostengründen den Kauf von Biowein einstellen, könnten Sie sich überlegen, guten Biowein in gleicher Qualität wie wir ihn in Flaschen anbieten in 3 Liter, 5 Liter oder 10 Liter zu kaufen. Am Ende kommt es auf die Qualität des Inhalts an.

Herzliche Grüße

Erich Hartl

hartl@weinpur.de

www.biowein-pur.de


Mittwoch, 5. August 2020

Weinkonsum in Deutschland – Einkaufsquellen

Erich Hartl hartl@weinpur.de http://www.biowein-pur.de/

Rund eine Milliarde Flaschen Wein, das entspricht 80% des gesamten Weinverkaufs in Deutschland, gehen bei Edeka und Rewe sowie den bundesweit agierenden sechs Discountunternehmen Aldi Süd, Aldi Nord, Lidl, Netto, Norma und Penny über die Kassenbänder.

200 Millionen Flaschen, also 20%, gehen auf das Konto des stationären Weinhandels, der Weingüter mit Direktvermarktung sowie sonstiger Verkaufsstellen und des Internethandels. 

Mit einem Umsatz von 556 Millionen Euro im Jahr 2019 und einem Gewinn  29,1 Mio Euro (Quelle: Wein Markt) ist die Hawesko Holding, zu der die Fachhandelskette Wein & Co in Österreich,  Jacques Wein-Depot, die Weinhandelsplattform „Wir Winzer“ und der auf Spanien-Weine spezialisierte Internethändler „Vinos“ gehören.

Sie alle bieten jetzt Bioweine in Ihren stationären Geschäften, und fast alle auch im Internet an. Dort loben sie Bioweine in höchsten Tönen. Hawesko schreibt „Biologisch und nachhaltig erzeugter Wein ist längst kein Trend mehr. In unserem Online Sortiment finden Sie eine große, leckere Wein Auswahl. Und günstig sind die Weine in vielen Fällen ebenfalls - Bio ist nicht automatisch teuer! „ Billiger sind sie bei Hawesko aber auch nicht. Die Vorteile ihrer Einkaufsmacht werden offensichtlich nicht an ihre Kunden weitergegeben. 

Gut 3.500 Sorten Wein bietet Hawesko an. Nur 103 davon sind Bioweine. So ähnlich ist das Verhältnis auch bei anderen großen und kleinen Anbietern.  „Green washing“ nennt man diese Strategie, mit der einfach noch ein bisschen mehr Umsatz und Gewinn generiert werden soll.  

Firmen, die in ihrem Geschäftsfeld dominierende Stellungen einnehmen, geben ihre  Einkaufs- und Logistikvorteile nur so lange an ihre Kunden weiter, bis sie Mitbewerber aus dem Markt gedrängt haben. 

Gegenüber ihren Lieferanten wird die Einkaufsmacht der großen Wein- Handelsketten rücksichtslos ausgespielt und wer von ihnen abhängig wird, verliert früher oder später sein Weingut. 

Bevor es dazu kommt, wird auf solchen Weingütern an allen Ecken und Enden zu Lasten der Qualität, der Umwelt und der Bezahlung von Mitarbeitern gespart.

In allen namhaften Weinbauregionen gibt es zahlreiche Beispiele dafür, dass Banken, Versicherungskonzerne, Investmentfonds und sonstige Investoren aus China, Russland, Japan und USA in finanzielle Not geratene Weingüter aufkaufen. Manche, noch von Familien bewirtschaftete Weingüter haben nur noch solche Nachbarn.

Erst kürzlich telefonierte ich mit einem angesehenen Winzer in Saint Emilion in Frankreich um über eine mögliche Zusammenarbeit zu reden. Der Winzer erzählte mir, er habe sein Weingut eine Woche zuvor an einen japanischen Investor verkauft, weil er es aus finanziellen Gründen nicht mehr so bewirtschaften konnte, wie er es für richtig hält. 

Von dieser Entwicklung ist die gesamte Landwirtschaft betroffen. Kleinere Betriebe haben kaum noch eine Überlebenschance und Großbetriebe sind gezwungen immer mehr auf Kosten der Umwelt, der sozialen Verhältnisse und der Produktqualität zu produzieren.  

So profitieren Verbraucher zwar von billigen, massenhaft, industriell erzeugten und manipulierten Nahrungsmitteln, bezahlen aber gleichzeitig die voraussehbaren negativen Folgen. Die finanziellen Gewinner sind die großen, marktbeherrschenden Firmen.

Wir von Biowein pur kaufen deshalb Bioweine nur von Familien-geführten Weingütern. Wir kaufen keine Markenweine unbekannter Herkunft. Die Weine in unserem Sortiment werden auf den Weingütern in Flaschen abgefüllt und gehen nicht vorher durch andere Hände. Wir lassen keine Weine in unserem Namen abfüllen und mit eigenen Etiketten versehen, um einen Preisvergleich unmöglich zu machen.

Wir kaufen auch keine Bioweine von Weingütern im Besitz von Banken, Großkonzernen und Aktiengesellschaften, weil dort die Rendite und nichts anderes im Vordergrund steht.

In einem der nächsten Blogs beschreibe ich dann die Praktiken des spezialisierten Bioweinhandels.

Bis dahin herzliche Grüße,

Erich Hartl


Freitag, 15. Mai 2020

Schwein und Wein bei Tisch




Fleisch und Wein können so unglaublich billig sein. Warum ist das so? 
Weil beide Produkte unter Missachtung von Umweltschutz, Gesundheitsschutz, Tierschutz und Sozialstandards erzeugt werden können.

Dazu ein Beispiel: Hunderte Schlachthof-Beschäftigte der Firma Westfleisch im westfälischen Kreis Coesfeld erkrankten am Corona-Virus, weil sie räumlich so beengt untergebracht wurden wie die Schweine, die sie vorher geschlachtet haben. Schweine werden während ihrer Mast prophylaktisch mit Antibiotika behandelt um Krankheiten und Seuchen zu verhindern. Die Arbeits-und Wohnsituation der Schlachter/Zerleger zu kontrollieren, fiel den Behörden dagegen erst ein, als in vielen Schlachthöfen immer mehr Arbeiter erkrankten. 

Genauso ergeht es legalen oder illegalen Erntehelfern, Tagelöhnern und Saisonarbeitern aus Osteuropa und Afrika in der europäischen Landwirtschaft, auch in Weinbaubetrieben. Sie nächtigen in Lagerschuppen und unter Plastikplanen im Freien, sie arbeiten mehr Stunden als ihnen bezahlt werden. Das haben wir selbst gesehen, als wir Weinbaubetriebe besichtigten. Dabei geht es manchen Weingutbesitzern finanziell sehr gut. Anderen dagegen nicht viel besser als ihren Arbeitern. Eines Tages werden viele der kleineren Landwirte und Winzer vor der Macht ihrer Großkunden kapitulieren und aufgeben müssen. 

Schweineschnitzel zu 5,29 Euro das Kilo, eine Flasche Biowein zu 2,49 Euro - das kann und darf nicht sein. Das ist nicht nachhaltig und es ist für alle, die daran beteiligt sind, ungesund! Für echten Biowein, den man mit gutem Gewissen trinken kann, muss man je nach Herkunft 6-8 Euro ausgeben und wer auf Genuss Wert legt, sollte mindestens 10 Euro bezahlen. Leistung, Qualität und Preis stehen in direktem Zusammenhang. 

Es fehlt Verbrauchern nicht an Informationen über die Zustände in der subventionierten Massentierhaltung und der konventionellen Landwirtschaft, in der nur noch wenige schlecht bezahlte Arbeitskräfte beschäftigt sind. Wir alle haben die Nachrichten gelesen über die Urwaldrodungen in Brasilien und Indonesien, über Fleischexporte nach China, Japan, Korea oder Afrika. Wir alle wissen, dass unsere Böden an den Exkrementen mit Rückständen verabreichter Antibiotika und sonstiger Medikamente ersticken. Rückstände, die sich dann in wachsenden Pflanzen, im Tierfutter und auch in unserer Nahrung und im Trinkwasser wiederfinden.

Es geht auch anders. Das beweisen zahlreiche Biobetriebe, obwohl auch in der Biolandwirtschaft ähnliche Tendenzen vorhanden sind. Das sehen wir, wenn uns Bioweine für 0,65 Euro die Flasche inklusive Kork, Flaschenkapsel, Etikett und Bio-Zertifikat angeboten werden. Wir handeln nicht mit solchen Weinen, weil wir wissen, wie es hinter den Kulissen aussieht. Umsatz und Gewinn um jeden Preis ist unsere Sache nicht.

Ich kann nur an Ihre Intelligenz appellieren: kaufen Sie gute Produkte, deren Herkunft nachvollziehbar ist, bei kleinen Händlern und nicht bei marktbeherrschenden Monopolisten und Aktiengesellschaften und bezahlen Sie faire Preise dafür. Das ist besser für die Zukunft, für Sie und Ihr Wohlbefinden.

Herzliche Grüße

Ihr Erich Hartl