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Dienstag, 29. September 2020

Biowein in Flaschen oder in Bag in Box?

Erich Hartl hartl@weinpur.de http://www.biowein-pur.de/

Wenn Sie beim Weinkauf sparen möchten ohne auf Qualität zu verzichten, dann kann ich den Kauf von  Biowein in Bag in Box (auch als Weinschlauch bekannt) sehr empfehlen. Sie sollten nur darauf achten, dass es sich um Qualitätsweine handelt. Die sind an den Kürzeln, QBA, AOC, AOP, DOC oder DO zu erkennen. Für diese Auszeichnungen sind ganz bestimmte Rebsorten, eine Obergrenze für die Erntemenge und eine Qualitätsprüfung vorgeschrieben. Wenn diese Weine dann noch direkt auf dem Weingut abgefüllt, sind Sie auf der sicheren Seite. So ist es beispielsweise bei den Weinen des Château Rioublanc und der Domaine Julien de l'Embisque,  die identische Bioweine sowohl in Flaschen als auch in Bag in Box abfüllen.

Wenn es sich um Tafel- oder Landwein handelt, kaufen Sie besser niemals Weine in Bag in Box unbekannter Herkunft, denn hierbei handelt es sich um Weine die keinerlei Vorschriften und Kontrollen unterliegen und von Händlern für 20.30 Cent/Liter eingekauft werden, meist kurz vor der Weinlese, wenn die Winzer ihre Weintanks leeren müssen.

Anders verhält es sich, wenn Sie Bio-Tafelweine oder Bio-Landweine in Bag in Box kaufen, die beim Erzeuger abgefüllt wurden, beispielsweise bei der Quinta do Montalto, wo die Weine regelmäßig erzeugt und abgefüllt werden. Zur Zeit kostet der Liter im 3 l Bag in Box € 4,65

Ein Château Rioublanc, Bordeaux AOC, rot in 0,75 l Fl. kostet pro Liter €  11,73. Derselbe Wein in 10 l Bag in Box kostet pro Liter nur € 6,95. Ähnlich verhält es sich beim Julien de l’Embisque Côtes du Rhône AOC, wo der Liter in der Flasche € 14,60 und im 5 l Bag in Box € 7,90 kostet.

Warum sind die Preisunterschiede zwischen Biowein in Bag in Box und in Flaschen so groß?

  • Bag in Box: je größer die Verpackungseinheit, umso niedriger sind die Kosten des Verpackungsmaterials und des Arbeitsaufwands.
  • Für die Abfüllung sind keine teuren Abfüllmaschinen, die mehrere hunderttausend Euros kosten, erforderlich.
  • Die Transportkosten für Wein in Bag in Box vom Erzeuger bis zum Verkaufspunkt sind aufgrund ihres niedrigeren Gewichts um 40 % geringer.
  • Kosten eines Versandkartons für Bag in Box (ohne Innenverpackung) pro Liter € 0,15
  • Kosten eines Versandkartons für Wein in Flaschen inklusive Innenverpackung  pro Liter € 0,50.
  • Versandkosten pro Versandkarton (max 32 kg) betragen € 6,00, das entspricht € 0,20/l bei 30 l.
  • Versandkosten pro Versandkarton (max 32 kg) betragen € 6,00, das entspricht einer Anzahl von 18 Fl. bzw. 13,5 l, also € 0,33/Fl. oder € 0,44/l.
  • Schließlich müssen wir für die umweltfreundliche Entsorgung von Verpackungsmaterialien bezahlen. Da Folien und Kartonagen leichter als Glas sind, sind die Kosten für Bag in Box-Verpackungen geringer.

Es geht mir mit dieser Erklärung nicht darum, Sie zu Kauf von Biowein in Bag in Box zu animieren, sondern Sie darüber zu informieren, mit welchen Tricks in der Weinbranche gearbeitet wird. Diesem Umstand ist auch das negative Image von Wein in Bag in Box zu verdanken. Beide Verpackungsarten bieten Vor- und Nachteile die abzuwägen sind. Doch bevor Sie aus Kostengründen den Kauf von Biowein einstellen, könnten Sie sich überlegen, guten Biowein in gleicher Qualität wie wir ihn in Flaschen anbieten in 3 Liter, 5 Liter oder 10 Liter zu kaufen. Am Ende kommt es auf die Qualität des Inhalts an.

Herzliche Grüße

Erich Hartl

hartl@weinpur.de

www.biowein-pur.de


Freitag, 15. Mai 2020

Schwein und Wein bei Tisch




Fleisch und Wein können so unglaublich billig sein. Warum ist das so? 
Weil beide Produkte unter Missachtung von Umweltschutz, Gesundheitsschutz, Tierschutz und Sozialstandards erzeugt werden können.

Dazu ein Beispiel: Hunderte Schlachthof-Beschäftigte der Firma Westfleisch im westfälischen Kreis Coesfeld erkrankten am Corona-Virus, weil sie räumlich so beengt untergebracht wurden wie die Schweine, die sie vorher geschlachtet haben. Schweine werden während ihrer Mast prophylaktisch mit Antibiotika behandelt um Krankheiten und Seuchen zu verhindern. Die Arbeits-und Wohnsituation der Schlachter/Zerleger zu kontrollieren, fiel den Behörden dagegen erst ein, als in vielen Schlachthöfen immer mehr Arbeiter erkrankten. 

Genauso ergeht es legalen oder illegalen Erntehelfern, Tagelöhnern und Saisonarbeitern aus Osteuropa und Afrika in der europäischen Landwirtschaft, auch in Weinbaubetrieben. Sie nächtigen in Lagerschuppen und unter Plastikplanen im Freien, sie arbeiten mehr Stunden als ihnen bezahlt werden. Das haben wir selbst gesehen, als wir Weinbaubetriebe besichtigten. Dabei geht es manchen Weingutbesitzern finanziell sehr gut. Anderen dagegen nicht viel besser als ihren Arbeitern. Eines Tages werden viele der kleineren Landwirte und Winzer vor der Macht ihrer Großkunden kapitulieren und aufgeben müssen. 

Schweineschnitzel zu 5,29 Euro das Kilo, eine Flasche Biowein zu 2,49 Euro - das kann und darf nicht sein. Das ist nicht nachhaltig und es ist für alle, die daran beteiligt sind, ungesund! Für echten Biowein, den man mit gutem Gewissen trinken kann, muss man je nach Herkunft 6-8 Euro ausgeben und wer auf Genuss Wert legt, sollte mindestens 10 Euro bezahlen. Leistung, Qualität und Preis stehen in direktem Zusammenhang. 

Es fehlt Verbrauchern nicht an Informationen über die Zustände in der subventionierten Massentierhaltung und der konventionellen Landwirtschaft, in der nur noch wenige schlecht bezahlte Arbeitskräfte beschäftigt sind. Wir alle haben die Nachrichten gelesen über die Urwaldrodungen in Brasilien und Indonesien, über Fleischexporte nach China, Japan, Korea oder Afrika. Wir alle wissen, dass unsere Böden an den Exkrementen mit Rückständen verabreichter Antibiotika und sonstiger Medikamente ersticken. Rückstände, die sich dann in wachsenden Pflanzen, im Tierfutter und auch in unserer Nahrung und im Trinkwasser wiederfinden.

Es geht auch anders. Das beweisen zahlreiche Biobetriebe, obwohl auch in der Biolandwirtschaft ähnliche Tendenzen vorhanden sind. Das sehen wir, wenn uns Bioweine für 0,65 Euro die Flasche inklusive Kork, Flaschenkapsel, Etikett und Bio-Zertifikat angeboten werden. Wir handeln nicht mit solchen Weinen, weil wir wissen, wie es hinter den Kulissen aussieht. Umsatz und Gewinn um jeden Preis ist unsere Sache nicht.

Ich kann nur an Ihre Intelligenz appellieren: kaufen Sie gute Produkte, deren Herkunft nachvollziehbar ist, bei kleinen Händlern und nicht bei marktbeherrschenden Monopolisten und Aktiengesellschaften und bezahlen Sie faire Preise dafür. Das ist besser für die Zukunft, für Sie und Ihr Wohlbefinden.

Herzliche Grüße

Ihr Erich Hartl


Montag, 18. November 2019

Wie wird man als Quereinsteiger Biowein-Importeur

Erich Hartl hartl@weinpur.de http://www.biowein-pur.de/


Gelernt hatte ich ursprünglich Koch und Hotelkaufmann. Die Berufswahl ließ nicht unbedingt ahnen, dass ich mich später ausschließlich dem Import von Bioweinen widmen würde. Was muß ein Quereinsteiger, wie ich es bin, eigentlich mitbringen? Das Wichtigste ist eine gute Portion Enthusiasmus, Freude am Genuss guter Weine, ein funktionierendes Geruchsorgan, ein empfindsamer Gaumen, ein weinbauliches Basiswissen und etwas Umweltbewusstsein. Alles Weitere lernt man im Laufe seiner Tätigkeit. 
Ein Lernprozess, der nie ein Ende findet und der nicht umsonst zu haben ist, wenn man sich wie ein Weintourist verhält. Da besucht man ein Weingut in wunderschöner Umgebung, die Winzerin oder der Winzer ist sympathisch und serviert einen Wein nach dem anderen bis man beim Besten angelangt ist. Käse, Schinken und Weine schmecken immer besser und die erzählten Geschichten über den eigenen und den Werdegang jedes einzelnen Weins sind beeindruckend. Bei einem Verdauungsspaziergang durch die Weinberge kostet man die Trauben an den Reben, die appetitlich aussehen und wunderbar schmecken. Man weiß ja, dass daraus nur guter Wein entstehen kann. Bevor man wieder abreist, stellt man einen Auftrag zusammen, der eine Palette mit 600 Flaschen umfasst, und bezahlt im Voraus.
Wieder Zuhause erwartet man das Eintreffen der Weine mit Ungeduld um sie gleich zu probieren. Doch mit einem Mal erkennt man die Weine nicht wieder, reklamiert beim Winzer, der rät dazu 2-4 Wochen abzuwarten und sie nochmal zu probieren. Normalerweise erfüllen sich dann die Erwartungen an den Wein und man kann ihn ruhigen Gewissens den Kunden anbieten.
Zuhause probieren wir die neu entdeckten Weine in der Regel über mehrere Tage hinweg, um zu erkunden, wie sie sich entwickeln. Es kam dabei auch vor, dass der verkostete Wein einen zu hohen Gehalt an flüchtiger Säure enthielt und deshalb nicht mehr verkehrsfähig, also nicht mehr genießbar war. Eine Analyse des Weins vor dem Kauf hätte uns davor bewahrt, 600 Flaschen Wein zu entkorken und über das Wasserabflussrohr entsorgen zu müssen.
Ich erinnere mich an einen Vorgang im Hof des Zollamts in Tübingen, bei dem wir die vorab bezahlte Schaumweinsteuer für 240 Flaschen oxydierten Champagner zurückerstattet haben wollten. Normalerweise konserviert die im Champagner enthaltene Kohlesäure dieses Luxusgetränk über mehrere Jahre hinweg. Bei „unserem“ Schaumwein hat das leider nicht funktioniert. Um die bezahlte Steuer wieder zu erhalten, mussten wir im Beisein eines Zollbeamten 240 Flaschen Champagner öffnen und in den Gulli gießen.
Ähnliches passierte uns einmal mit einem Vino Nobile di Montepulciano, der tatsächlich zu den noblen Weinen der Toskana zählt. Mit entsprechendem Körper, Frucht und Tannin kann ein Vino Nobile 10 Jahre gelagert, und dabei immer besser werden. So war es leider nicht mit einem recht jungen Wein, den wir uns ausgesucht hatten. Er hatte alles – Körper und Frucht, aber leider Tannin im Übermaß. Dadurch wurde er herb, wirkte hart und grün und wurde auch durch lange Lagerung nicht weicher und nicht zugänglicher. Wir konnten ihn nicht verkaufen und mussten ihn entsorgen.
Wir lernten daraus, uns nie beim ersten Besuch eines Weinguts für einen Wein zu entscheiden, sondern ihn mit nach Hause zu nehmen, einige Wochen ruhen zu lassen und dann über drei bis vier Tage hinweg zu probieren. Dabei erkennt man die Veränderung des Weins von Tag zu Tag und kann daraus die Persistenz und Lagerfähigkeit eines Weins ableiten. Eine ausführliche Analyse des Weins kann Verlustrisiken verhindern.
Im Laufe der Jahre sind wir sicherer geworden in der Einschätzung von Weinen. Der Enthusiasmus ist geblieben. Ebenso die Freude am Genuss guter Weine. Eine Freude, die noch größer ist, wenn wir sie mit unseren Kunden teilen können.

Herzliche Grüße
Erich Hartl

Freitag, 18. Oktober 2019

Warum die besten Lebensmittel nicht die billigsten sein können

Erich Hartl hartl@weinpur.de http://www.biowein-pur.de/

In Frankreich werden aus den gelesenen Trauben 47 % Qualitätsweine, 36 % Landweine (IGP) und Tafelweine (Vins de France) gekeltert. Aus dem Rest wird Weinbrand destilliert. (Quelle: Vins et Société)
In Deutschland werden 96,3 % Qualitätsweine und 3,7 % Landweine gekeltert.(Quelle: Deutsches Weininstitut).
Vergleicht man darüber hinaus die Erntemenge pro Hektar in Hektolitern – 40,3 in Frankreich zu 88,2 in Deutschland, wird deutlich, dass die Anforderungen an einen Qualitätswein in Deutschland nicht sehr hoch sind.
Wie sagte kürzlich der Präsident des Deutschen Bauernverbands in der TV Sendung „hart aber fair“ ganz stolz? „Wir haben die besten und billigsten Lebensmittel“. Bravo? 
Es dürfte nicht schwer zu verstehen sein, dass hohe Erntemengen je Hektar Rebenfläche zu preisgünstigen Preisen, aber nicht zu hoher Weinqualität führen. Andererseits sind weder hohe Preise noch niedrige Erntemengen eine Garantie für gute Weine, sondern eher für eine gute Qualität der Trauben. Es bedarf noch eines guten Önologen und Kellermeisters um das Werk der Natur, sofern es um Biowein geht, in einen guten Biowein zu verwandeln. 
Zur Ehrenrettung des deutschen Weins sei gesagt, dass zahlreiche deutsche Qualitäts-orientiert arbeitende Winzer die erlaubte Erntemenge von 100 hl/Hektar um 40 oder mehr % reduzieren, übrigens auch unsere deutschen Biowinzer, wie das Ehepaar Neher aus dem Rheingau.
Jochen Neher und seine Frau Saynur Sonkaya-Neher bewirtschaften gemeinsam das Weingut Mohr in Lorch im Rheingau. Auf den steinigen schiefer- und quarzhaltigen Böden bauen sie Riesling, Weiss- und Spätburgunder, Muskateller, Silvaner und etwas Scheurebe an. Die Weine wachsen zum Teil in Steillagen, wo die Erträge niedriger und die Bearbeitung aufwendiger ist als in flachen Lagen. Ein guter Teil der Reben ist über 80 Jahre alt. Ihre tiefen Wurzeln liefern Mineralstoffe für die wenigen, aber gehaltvollen Trauben.
Die Ernte in den Steillagen sowie in den flachen Lagen wird von Hand gemacht. Sie liegt mit 20 bis 60 hl/Hektar - je nach Lage und Alter der Reben – weit unter den zulässigen 100 hl/Hektar.
Von der Qualität der Weine vom Weingut Mohr sind wir schon lange überzeugt. 
Probieren Sie selbst: 
Herzliche Grüße
Erich Hartl

Montag, 5. August 2019

Biowein Original Gutsabfüllungen oder Eigenmarken?

Erich Hartl hartl@weinpur.de http://www.biowein-pur.de/



Meldungen über Weinskandale konnte man bisher nur über konventionelle Weine lesen. Jetzt scheint es auch den Bioweinbereich getroffen zu haben. In Rheinhessen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Winzer und Kellerei-Mitarbeiter, die im Verdacht stehen über die Herkunft der Weine getäuscht sowie falsche Angaben über deren Qualität gemacht zu haben. Sie hätten fälschlicherweise behauptet, dass der von ihnen vermarktete Wein Bio-Qualität habe. Dabei geht es um große Mengen falsch deklarierten Weines. 
Offen gesagt, ist das nicht überraschend für mich. Wenn hunderte sogenannter Biowein-Eigenmarken angeboten werden, deren Herkunft nicht offengelegt wird, stellt sich die Frage, warum diese Weine nicht direkt von den Winzern in Flaschen gefüllt wurden? Stattdessen gelangen sie in Tankfahrzeugen nach Deutschland wo sie in Flaschen gefüllt und mit Fantasie-Etiketten beklebt werden, womit kein Preisvergleich mehr möglich ist. Lukrativ scheint dieses Geschäft für Händler zu sein, sonst würden sie es nicht machen. Fraglich ist, ob diese bio-zertifizierten Weine ihren Preis wert sind?
Schließen Sie Zweifel aus, indem Sie Bioweine nur in Original-Weingut-Abfüllungen kaufen. 
Jeder qualitätsorientierte Winzer ist bestrebt seine besten Weine selbst in Flaschen zu füllen und mit seinen Etiketten, inklusive seines Namens oder den Namen seines Weinguts, zu versehen. Mit einem hervorragenden Wein wird er langfristig seinen Ruf und Verkauf steigern. Weniger gute Weine verkauft er Tankweise an Händler zu niedrigen Preisen, die oft nicht kostendeckend sind. Daraus entstehen sogenannte Eigenmarken mit Fantasiebezeichnungen deren Herkunft für den Verbraucher nicht mehr nachvollziehbar ist, aber dem Händler/Abfüller mangels einer Vergleichsmöglichkeit eine freie Preiskalkulation erlaubt. 
Biowein [pur] hat sich deshalb für Biowein in Original-Gutsabfüllungen oder Erzeugerabfüllungen entschieden.
Herzliche Grüße
Ihr Erich Hartl