Mittwoch, 5. August 2020

Weinkonsum in Deutschland – Einkaufsquellen

Erich Hartl hartl@weinpur.de http://www.biowein-pur.de/

Rund eine Milliarde Flaschen Wein, das entspricht 80% des gesamten Weinverkaufs in Deutschland, gehen bei Edeka und Rewe sowie den bundesweit agierenden sechs Discountunternehmen Aldi Süd, Aldi Nord, Lidl, Netto, Norma und Penny über die Kassenbänder.

200 Millionen Flaschen, also 20%, gehen auf das Konto des stationären Weinhandels, der Weingüter mit Direktvermarktung sowie sonstiger Verkaufsstellen und des Internethandels. 

Mit einem Umsatz von 556 Millionen Euro im Jahr 2019 und einem Gewinn  29,1 Mio Euro (Quelle: Wein Markt) ist die Hawesko Holding, zu der die Fachhandelskette Wein & Co in Österreich,  Jacques Wein-Depot, die Weinhandelsplattform „Wir Winzer“ und der auf Spanien-Weine spezialisierte Internethändler „Vinos“ gehören.

Sie alle bieten jetzt Bioweine in Ihren stationären Geschäften, und fast alle auch im Internet an. Dort loben sie Bioweine in höchsten Tönen. Hawesko schreibt „Biologisch und nachhaltig erzeugter Wein ist längst kein Trend mehr. In unserem Online Sortiment finden Sie eine große, leckere Wein Auswahl. Und günstig sind die Weine in vielen Fällen ebenfalls - Bio ist nicht automatisch teuer! „ Billiger sind sie bei Hawesko aber auch nicht. Die Vorteile ihrer Einkaufsmacht werden offensichtlich nicht an ihre Kunden weitergegeben. 

Gut 3.500 Sorten Wein bietet Hawesko an. Nur 103 davon sind Bioweine. So ähnlich ist das Verhältnis auch bei anderen großen und kleinen Anbietern.  „Green washing“ nennt man diese Strategie, mit der einfach noch ein bisschen mehr Umsatz und Gewinn generiert werden soll.  

Firmen, die in ihrem Geschäftsfeld dominierende Stellungen einnehmen, geben ihre  Einkaufs- und Logistikvorteile nur so lange an ihre Kunden weiter, bis sie Mitbewerber aus dem Markt gedrängt haben. 

Gegenüber ihren Lieferanten wird die Einkaufsmacht der großen Wein- Handelsketten rücksichtslos ausgespielt und wer von ihnen abhängig wird, verliert früher oder später sein Weingut. 

Bevor es dazu kommt, wird auf solchen Weingütern an allen Ecken und Enden zu Lasten der Qualität, der Umwelt und der Bezahlung von Mitarbeitern gespart.

In allen namhaften Weinbauregionen gibt es zahlreiche Beispiele dafür, dass Banken, Versicherungskonzerne, Investmentfonds und sonstige Investoren aus China, Russland, Japan und USA in finanzielle Not geratene Weingüter aufkaufen. Manche, noch von Familien bewirtschaftete Weingüter haben nur noch solche Nachbarn.

Erst kürzlich telefonierte ich mit einem angesehenen Winzer in Saint Emilion in Frankreich um über eine mögliche Zusammenarbeit zu reden. Der Winzer erzählte mir, er habe sein Weingut eine Woche zuvor an einen japanischen Investor verkauft, weil er es aus finanziellen Gründen nicht mehr so bewirtschaften konnte, wie er es für richtig hält. 

Von dieser Entwicklung ist die gesamte Landwirtschaft betroffen. Kleinere Betriebe haben kaum noch eine Überlebenschance und Großbetriebe sind gezwungen immer mehr auf Kosten der Umwelt, der sozialen Verhältnisse und der Produktqualität zu produzieren.  

So profitieren Verbraucher zwar von billigen, massenhaft, industriell erzeugten und manipulierten Nahrungsmitteln, bezahlen aber gleichzeitig die voraussehbaren negativen Folgen. Die finanziellen Gewinner sind die großen, marktbeherrschenden Firmen.

Wir von Biowein pur kaufen deshalb Bioweine nur von Familien-geführten Weingütern. Wir kaufen keine Markenweine unbekannter Herkunft. Die Weine in unserem Sortiment werden auf den Weingütern in Flaschen abgefüllt und gehen nicht vorher durch andere Hände. Wir lassen keine Weine in unserem Namen abfüllen und mit eigenen Etiketten versehen, um einen Preisvergleich unmöglich zu machen.

Wir kaufen auch keine Bioweine von Weingütern im Besitz von Banken, Großkonzernen und Aktiengesellschaften, weil dort die Rendite und nichts anderes im Vordergrund steht.

In einem der nächsten Blogs beschreibe ich dann die Praktiken des spezialisierten Bioweinhandels.

Bis dahin herzliche Grüße,

Erich Hartl


Freitag, 15. Mai 2020

Schwein und Wein bei Tisch




Fleisch und Wein können so unglaublich billig sein. Warum ist das so? 
Weil beide Produkte unter Missachtung von Umweltschutz, Gesundheitsschutz, Tierschutz und Sozialstandards erzeugt werden können.

Dazu ein Beispiel: Hunderte Schlachthof-Beschäftigte der Firma Westfleisch im westfälischen Kreis Coesfeld erkrankten am Corona-Virus, weil sie räumlich so beengt untergebracht wurden wie die Schweine, die sie vorher geschlachtet haben. Schweine werden während ihrer Mast prophylaktisch mit Antibiotika behandelt um Krankheiten und Seuchen zu verhindern. Die Arbeits-und Wohnsituation der Schlachter/Zerleger zu kontrollieren, fiel den Behörden dagegen erst ein, als in vielen Schlachthöfen immer mehr Arbeiter erkrankten. 

Genauso ergeht es legalen oder illegalen Erntehelfern, Tagelöhnern und Saisonarbeitern aus Osteuropa und Afrika in der europäischen Landwirtschaft, auch in Weinbaubetrieben. Sie nächtigen in Lagerschuppen und unter Plastikplanen im Freien, sie arbeiten mehr Stunden als ihnen bezahlt werden. Das haben wir selbst gesehen, als wir Weinbaubetriebe besichtigten. Dabei geht es manchen Weingutbesitzern finanziell sehr gut. Anderen dagegen nicht viel besser als ihren Arbeitern. Eines Tages werden viele der kleineren Landwirte und Winzer vor der Macht ihrer Großkunden kapitulieren und aufgeben müssen. 

Schweineschnitzel zu 5,29 Euro das Kilo, eine Flasche Biowein zu 2,49 Euro - das kann und darf nicht sein. Das ist nicht nachhaltig und es ist für alle, die daran beteiligt sind, ungesund! Für echten Biowein, den man mit gutem Gewissen trinken kann, muss man je nach Herkunft 6-8 Euro ausgeben und wer auf Genuss Wert legt, sollte mindestens 10 Euro bezahlen. Leistung, Qualität und Preis stehen in direktem Zusammenhang. 

Es fehlt Verbrauchern nicht an Informationen über die Zustände in der subventionierten Massentierhaltung und der konventionellen Landwirtschaft, in der nur noch wenige schlecht bezahlte Arbeitskräfte beschäftigt sind. Wir alle haben die Nachrichten gelesen über die Urwaldrodungen in Brasilien und Indonesien, über Fleischexporte nach China, Japan, Korea oder Afrika. Wir alle wissen, dass unsere Böden an den Exkrementen mit Rückständen verabreichter Antibiotika und sonstiger Medikamente ersticken. Rückstände, die sich dann in wachsenden Pflanzen, im Tierfutter und auch in unserer Nahrung und im Trinkwasser wiederfinden.

Es geht auch anders. Das beweisen zahlreiche Biobetriebe, obwohl auch in der Biolandwirtschaft ähnliche Tendenzen vorhanden sind. Das sehen wir, wenn uns Bioweine für 0,65 Euro die Flasche inklusive Kork, Flaschenkapsel, Etikett und Bio-Zertifikat angeboten werden. Wir handeln nicht mit solchen Weinen, weil wir wissen, wie es hinter den Kulissen aussieht. Umsatz und Gewinn um jeden Preis ist unsere Sache nicht.

Ich kann nur an Ihre Intelligenz appellieren: kaufen Sie gute Produkte, deren Herkunft nachvollziehbar ist, bei kleinen Händlern und nicht bei marktbeherrschenden Monopolisten und Aktiengesellschaften und bezahlen Sie faire Preise dafür. Das ist besser für die Zukunft, für Sie und Ihr Wohlbefinden.

Herzliche Grüße

Ihr Erich Hartl


Donnerstag, 7. Mai 2020

Biowein aus Rueda von dem Dominio de Verderrubi

Erich Hartl hartl@weinpur.de http://www.biowein-pur.de/
Lese auf dem Weingut Dominio de Verderrubi. Bild: Weingut


Schönheit liegt im Auge des Betrachters, sagt man. Damit möchte ich andeuten, dass ein Winzer die auf relativ flachem Gelände befindlichen Weinbauflächen schön finden könnte, während sie ein Tourist als eher langweilig empfinden würde.Vor einiger Zeit habe ich die benachbarten Weinbaugebiete Toro und Rueda in Kastilien-León im Nordosten Spaniens besucht. Abgesehen von den Flusstälern des Duero und seiner Nebenflüsse, die landschaftlich sehr reizvoll sind, ist die gesamte Weinbauregion Rueda eine eintönige Hochebene in leicht welliger Form auf einer Höhe von 600 bis 800 m. Hin und wieder mit einem Hügel dazwischen, der dem Auge in der endlos scheinenden Weite einen Fixpunkt bietet. 
Das Klima ist überwiegend kontinental, trocken, mit heißen Sommer- und kalten Wintertemperaturen, sowie großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht. Die Böden sind karg, sandig und steinig, aber mineralreich. Ideale Bedingungen für den Weinbau, besonders für die Erzeugung von Biowein, weil Pilzkrankheiten keine große Gefahr darstellen. Ältere, tief wurzelnde Reben finden in mehreren Metern Tiefe auch nach langer Trockenheit immer noch genügend Feuchtigkeit, in der die Mineralstoffe gelöst sind und aufgenommen werden können. Jungen Reben dagegen geht es dabei nicht so gut, solange ihre Wurzeln noch zu kurz sind. Aber alte erfahrene Winzer sagen, für guten Wein müssen Reben leiden. 
Während im Gebiet von Toro traditionell mehr Rotwein (Tinto de Toro) erzeugt wird, hat Rueda nach Ende der Reblaus-Plage mit wenig Erfolg auf die ertragreiche, weiße Palomino-Traube gesetzt und daraus Sherry-ähnliche Weine und Schaumweine (Cava) erzeugt. Erst danach sind Fachleute aus dem Riojagebiete und aus Bordeaux auf die Idee gekommen, es mit der weißen Verdejo-Rebe zu versuchen. Daraus entsteht heute - mit moderner Weinbereitung und konsequenter Vermeidung des Kontakts zwischen Sauerstoff und Most/Wein - einer der besten Weißweine Spaniens. Hinzukommen neuerdings auch rote Weine aus den Rebsorten Mencia und Tempranillo.

Die Geschichte des  Dominio de Verderrubi
Emilio Pita, der Winzer der Dominio de Verderubi, nutzte die Chance auf der Hochebene von Rueda eine große, zusammenhängende, landwirtschaftlich wenig genutzte Fläche zu erwerben, in der er ungestört von Nachbarn biologischen Weinbau betreiben konnte. 
Winzer Emilio Pita

In einer von Landwirtschaft und Weinbau geprägten Region wie in Rueda waren viele Familien, so auch die Familie Pita, mit dem Rhythmus der Jahreszeiten und den jeweiligen Arbeiten im Weinberg verbunden. Emilio Pita erinnert sich an seine Jugendzeit, als Familienmitglieder in großer Zahl zur Weinernte auftauchten, um die Trauben von wenigen Hektar Land einzubringen um daraus auf ganz traditionelle Art Wein zu erzeugen.
Damals ahnte er noch nicht, dass er eines Tages daraus ein ansehnliches, modernes Weingut, eben den "Dominio de Verderrubi", schaffen und sich sein ganzes Leben um die Erzeugung bester Bioweine drehen würde. Erst mit 23 Jahren begann er das Studium den Önologie an der Universität von Bordeaux. Weitere Schritte seiner Ausbildung führten ihn nach Neuseeland (Cloudy Bay) und Kalifornien (Newton Vineyards), Numanthia (Toro) Château Lynch-Beguey, Château Maucailloux und Clos de Florinde in Frankreich. Von dort kam er nach Rubí de Bracamonte (Valladolid) zurück und begann das "Verderrubi-Projekt“. Es sollte ein familiengeführtes Weingut werden, das stets die Eigenheiten des Terroirs berücksichtigt und die Belange der Natur respektiert.
Die Bioweine der Dominio de Verderrubi Pita
Die Verderrubí-Weine widerspiegeln die Natur der Weinberge. Es sind insgesamt 63 Hektar im Herzen von Kastilien. Davon 56 Hektar mit dem Namen La Cantera bei Rubí de Bracamonte. Die restlichen 6 Hektar befinden sich in La Bonera, einem Weinberg in Velascálvaro. Hier sind die tiefen, sandigen Böden auf einem Ton haltigen und felsigem Untergrund ideal für die Herstellung von frischen, eleganten und duftenden Weinen.
Bei Dominio de Verderrubi ist das kleinste Detail enorm wichtig. Von Anfang an wird jeder Weinberg und jede Weinrebe biologisch bearbeitet und mit größter Sorgfalt gepflegt. Das Weingut selbst befindet sich direkt neben den Weinbergen, von wo die geernteten Trauben in kleinen Behältern auf kürzestem Weg zur Weinbereitung ins Weingut transportiert werden.
Weinberge des Dominio Verderrubi

Emilio Pita strebt bei der Weinbereitung den reinsten Ausdruck des Terroirs (Boden, Trauben, Klima) an und vergärt den Wein spontan mit autochthoner Hefe. Alle Weine des Weinguts reifen auf der Hefe um ihnen eine natürliche Stabilität und Struktur zu verleihen. Darüber hinaus ist die Verwendung von Eichenfässern eine wichtige Komponente, um komplexe und langlebige Weine zu harmonisieren.
Die Probe der Weine vom Weingut Dominio de Verderrubi überzeugte uns bereits im Sommer 2019 auf Anhieb. Von da an hatten wir Zeit, sie zuhause immer wieder zu testen und ihre Entwicklung zu beobachten. Es waren die berühmten Verdejo-Weine aus der Region Rueda, sowie ein wunderschöner, würzig-fruchtiger und aromatischer Sauvignon Blanc, und ein hervorragenden Tempranillo, der uns ebenso gut gefiel.

Wir freuen uns Ihnen diese Weine nun anbieten zu können und laden Sie ein sich selbst einen Eindruck zu machen.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Hartl

Dienstag, 26. November 2019

Warum wir uns von manchen Bioweingütern trennen

Erich Hartl hartl@weinpur.de http://www.biowein-pur.de/


Manchmal werden wir auf ein Weingut aufmerksam, weil es in der Fachpresse gelobt wird und die Weine Lücken in unserem Sortiment schließen könnten. Dann besuchen wir das Weingut. Wir probieren die Weine, sehen uns die Weinberge und die Keller an. Bei einem dieser Besuche waren wir beeindruckt von der peniblen Sauberkeit und Ordnung auf dem Hof und im Weinkeller. Auch die Weine waren von bester Qualität. Dieser Eindruck setzte sich im Weinberg fort, aber auf dem Weg dorthin, es war im Frühling, waren die Wegränder und Böschungen nicht mit grünem Gras, blühendem Gebüsch, wilden Blumen und Kräutern bedeckt, sondern mit abgestorbenem, welkem Bewuchs. Ein Hinweis auf die Behandlung mit Herbiziden und ein mangelndes ökologisches Bewusstsein, denn damit zerstört man einen Lebensraum für Vögel und Insekten und schädigt die Umwelt. Trotz des sonst guten Eindrucks verzichteten wir auf eine Zusammenarbeit.
***
Von einem anderen, in architektonischer und kellertechnischer Hinsicht wunderschönen Weingut in der Region Veneto/Friaul, bezogen wir mehrere Jahre lang hervorragende Weine. Wir besuchten es mehrmals, auch zusammen mit unseren Kunden. Es bewirtschaftete 100 Hektar Weinberge, davon nur die Hälfte der Fläche biologisch, weil der Absatz im Biobereich noch nicht groß genug war. Ein verständlicher Grund, denn nicht nur die Kosten der biologischen Arbeitsweise sind höher, sondern auch die Kosten der Kontrolle und Zertifizierung. Mein Misstrauen entstand erst, als mir der Kellermeister auf Nachfrage erklärte, dass eine technische Einrichtung der Mostkonzentration durch Umkehrosmose diene, die ich andernorts noch nicht gesehen hatte. Einige Monate später wurden wir informiert, dass der biologische Weinbau komplett eingestellt würde, dass wir jedoch Biowein wie bisher beziehen könnten. Anstatt selbst biologischen Weinbau zu betreiben, sollen jetzt Trauben von kleinen Weinbauern gekauft und zu Wein verarbeitet werden.  Damit  übertrugen sie den höheren Arbeitsaufwand und vor allem das Risiko (Frost, Regen, Hagel, Ernteverlust) auf Ihre Zulieferer. Für uns Grund genug, die Zusammenarbeit einzustellen. Wenn Sie unsere Reaktion nicht verstehen können, versetzen Sie sich bitte in die Situation der kleinen Winzer. 
***
Wein ist in erster Linie kein technisches, sonder ein „weiches“ Produkt. Besonders Biowein hat einen Hintergrund, eine Seele, es stecken intensive Gedanken einer Winzerin, eines Winzers dahinter. Es hat mit Gefühlen zu tun, mit Wetterbeobachtungen und Reaktionen darauf, es geht stets darum, die richtigen Vorkehrungen zu treffen. Während vieler Monate muss die Aufmerksamkeit stets dem Weinberg und den Reben gelten. Dabei kann ein Bioweinberg nicht isoliert von regionalen und globalen Einflüssen gesehen werden. Ein/e Biowinzer/in muss auch  ihr/sein persönlichen Leben umweltbewusst gestalten, sonst ist er nicht glaubwürdig, sonst geht es ihr/ihm nur darum, sich in einer kleinen Nische der Weinindustrie bessere Verkaufschancen zu verschaffen.  Solche Zweifel entstanden bei uns, als wir bei einem Weingutbesuch vom Winzer mit einem 3 Tonnen schweren Achtzylinder Geländewagen durch seine Weinberge kutschiert wurden. Das hat zwar unserem  damals 12jährigen Enkel imponiert, für uns war es ein Grund, von dort keine Weine mehr zu kaufen. Ein klappriger, alter R4 hätte es auch getan und würde nicht 30 l/Benzin auf 100km verbrauchen. Inzwischen haben wir uns auch von diesem Erzeuger getrennt.
***
Wie Sie wissen, wird in der Provence großzügig mit Olivenöl gekocht. Und immer legt man großen Wert darauf zu wissen, woher es kommt. Nicht so bei einem Bioweingut wo ich zum Mittagessen eingeladen war und beiläufig fragte, ob es in der Nähe einen Erzeuger von Bio-Olivenöl gibt. Als ich darauf keinen Namen und keine Adresse zu hören bekam, wunderte ich mich sehr. Ich wusste, dass nur wenige Kilometer vom Weingut entfernt, gutes Bio-Olivenöl erzeugt wurde. So ähnlich ist es auch, wenn ich in einem Bioweingut nach einem Bio-Restaurant oder einem Bioladen frage und keine positive Antwort erhalte. Denn normalerweise sind Biolandwirte gut miteinander vernetzt, sie tauschen Erfahrungen aus, treffen sich bei Schulungen, sie veranstalten Proben ihrer Produkte und helfen sich gegenseitig. 
Wir haben nicht sofort darauf reagiert, aber nach einer eindeutigen negativen Erfahrung gibt es die Weine dieses Weinguts auch nicht mehr bei uns.
***
Nachdem unser Biowein-Sortiment aus Frankreich 1985 einen Umfang angenommen hatte mit dem wir als kompetenter Weinhändler von Kunden akzeptiert wurden, begannen wir uns in Italien umzusehen. Wir hatten zunächst ein paar Vorbehalte. Aber egal wo wir hinkamen, ob am Gardasee, im Piemont, Südtirol oder der Toskana, stets waren wir überrascht vom guten Zustand der Weinberge und der Kellerausstattung der besuchten Bioweingüter. Es gab nur eine enttäuschende Ausnahme. Ich war mit meinem Freund Piero, einem Mediziner und exzellenten Hobbykoch, in der Toskana unterwegs um einen Termin auf einem Weingut in der Nähe von Montespertoli einzuhalten. Damals gab es noch keine Navigationsgeräte und so trafen wir zu spät zum Termin, aber rechtzeitig zum Mittagessen ein. Es handelte sich um eine kleine Kooperative von ca. 10-15 jungen Leuten, (Lehrern, Studenten, Akademikern) aus Mailand und Turin, die Milchschafe hielten, einen vorzüglichen Peccorino herstellten und Weinbau betrieben. Das Mittagessen im großen Kreis schmeckte hervorragend, seltsam erschien es uns jedoch, dass nur uns Wein serviert wurde, der nicht einmal besonders gut mundete. Man erklärte uns, sie würden biodynamische Landwirtschaft betreiben und nach anthroposophischen Grundsätzen leben und deshalb keinen Alkohol trinken. Man muss kein Pferd sein, um gut reiten zu können, dachte ich mir. Für die Weinbereitung hätten Sie ja einen Fachmann engagieren können. 
Ihre Weinberge waren in Top-Zustand, wie wir während eines Spaziergangs durch die Reben erkennen konnten. Die Käserei war modern ausgestattet und hygienisch sauber. Jedoch beim Betreten des Weinkellers stieg uns sofort deutlicher Essiggeruch in die Nase, die Einrichtung war unterhalb des akzeptablen Niveaus und nicht mehr dazu geeignet, saubere, reine Weine zu erzeugen. Wir empfahlen ihnen, sich mit einem schwäbischen Bio-Safterzeuger in Verbindung zu setzen und die Erzeugung von Wein einzustellen. Das taten Sie dann auch.
Um guten Biowein zu erzeugen, reicht eine ökologische Gesinnung und gute Arbeit im Weinberg zu leisten nicht aus, die Krönung dieser Arbeit findet im Weinkeller statt.

Herzliche Grüße
Erich Hartl

Montag, 18. November 2019

Wie wird man als Quereinsteiger Biowein-Importeur

Erich Hartl hartl@weinpur.de http://www.biowein-pur.de/


Gelernt hatte ich ursprünglich Koch und Hotelkaufmann. Die Berufswahl ließ nicht unbedingt ahnen, dass ich mich später ausschließlich dem Import von Bioweinen widmen würde. Was muß ein Quereinsteiger, wie ich es bin, eigentlich mitbringen? Das Wichtigste ist eine gute Portion Enthusiasmus, Freude am Genuss guter Weine, ein funktionierendes Geruchsorgan, ein empfindsamer Gaumen, ein weinbauliches Basiswissen und etwas Umweltbewusstsein. Alles Weitere lernt man im Laufe seiner Tätigkeit. 
Ein Lernprozess, der nie ein Ende findet und der nicht umsonst zu haben ist, wenn man sich wie ein Weintourist verhält. Da besucht man ein Weingut in wunderschöner Umgebung, die Winzerin oder der Winzer ist sympathisch und serviert einen Wein nach dem anderen bis man beim Besten angelangt ist. Käse, Schinken und Weine schmecken immer besser und die erzählten Geschichten über den eigenen und den Werdegang jedes einzelnen Weins sind beeindruckend. Bei einem Verdauungsspaziergang durch die Weinberge kostet man die Trauben an den Reben, die appetitlich aussehen und wunderbar schmecken. Man weiß ja, dass daraus nur guter Wein entstehen kann. Bevor man wieder abreist, stellt man einen Auftrag zusammen, der eine Palette mit 600 Flaschen umfasst, und bezahlt im Voraus.
Wieder Zuhause erwartet man das Eintreffen der Weine mit Ungeduld um sie gleich zu probieren. Doch mit einem Mal erkennt man die Weine nicht wieder, reklamiert beim Winzer, der rät dazu 2-4 Wochen abzuwarten und sie nochmal zu probieren. Normalerweise erfüllen sich dann die Erwartungen an den Wein und man kann ihn ruhigen Gewissens den Kunden anbieten.
Zuhause probieren wir die neu entdeckten Weine in der Regel über mehrere Tage hinweg, um zu erkunden, wie sie sich entwickeln. Es kam dabei auch vor, dass der verkostete Wein einen zu hohen Gehalt an flüchtiger Säure enthielt und deshalb nicht mehr verkehrsfähig, also nicht mehr genießbar war. Eine Analyse des Weins vor dem Kauf hätte uns davor bewahrt, 600 Flaschen Wein zu entkorken und über das Wasserabflussrohr entsorgen zu müssen.
Ich erinnere mich an einen Vorgang im Hof des Zollamts in Tübingen, bei dem wir die vorab bezahlte Schaumweinsteuer für 240 Flaschen oxydierten Champagner zurückerstattet haben wollten. Normalerweise konserviert die im Champagner enthaltene Kohlesäure dieses Luxusgetränk über mehrere Jahre hinweg. Bei „unserem“ Schaumwein hat das leider nicht funktioniert. Um die bezahlte Steuer wieder zu erhalten, mussten wir im Beisein eines Zollbeamten 240 Flaschen Champagner öffnen und in den Gulli gießen.
Ähnliches passierte uns einmal mit einem Vino Nobile di Montepulciano, der tatsächlich zu den noblen Weinen der Toskana zählt. Mit entsprechendem Körper, Frucht und Tannin kann ein Vino Nobile 10 Jahre gelagert, und dabei immer besser werden. So war es leider nicht mit einem recht jungen Wein, den wir uns ausgesucht hatten. Er hatte alles – Körper und Frucht, aber leider Tannin im Übermaß. Dadurch wurde er herb, wirkte hart und grün und wurde auch durch lange Lagerung nicht weicher und nicht zugänglicher. Wir konnten ihn nicht verkaufen und mussten ihn entsorgen.
Wir lernten daraus, uns nie beim ersten Besuch eines Weinguts für einen Wein zu entscheiden, sondern ihn mit nach Hause zu nehmen, einige Wochen ruhen zu lassen und dann über drei bis vier Tage hinweg zu probieren. Dabei erkennt man die Veränderung des Weins von Tag zu Tag und kann daraus die Persistenz und Lagerfähigkeit eines Weins ableiten. Eine ausführliche Analyse des Weins kann Verlustrisiken verhindern.
Im Laufe der Jahre sind wir sicherer geworden in der Einschätzung von Weinen. Der Enthusiasmus ist geblieben. Ebenso die Freude am Genuss guter Weine. Eine Freude, die noch größer ist, wenn wir sie mit unseren Kunden teilen können.

Herzliche Grüße
Erich Hartl

Montag, 4. November 2019

Meine Besuche bei Weingütern

Erich Hartl hartl@weinpur.de http://www.biowein-pur.de/
In der Boulangerie bekommt man neben Baguette auch Hilfe bei der Suche nach Weingütern. Bild: Hartl

Wenn ich Weingüter erstmals besuche, lasse ich mir den Weg dorthin – sie sind meist außerhalb der Orte zu finden – in einer typischen französischen Bäckerei (ich liebe den Duft und das Flair) beschreiben. Bereits hier kann ich an der Reaktion der Menschen hinter dem Tresen die Wertschätzung für das Weingut erkennen. So war es auch bei der Domaine Julien de L'Embisque. Die Empfehlung in der Bäckerei machte mich neugierig. Meine Erwartungen wurden dann beim Besuch in der Côtes du Rhone noch weit übertroffen. Es waren zunächst die unscheinbaren Erlebnisse und die umweltbewusste Lebensweise der Familie Gaide, die mir ein gutes Gefühl vermittelten. 

Es ist jedoch nicht nur eine gefühlsbasierte Entscheidung, auch die Weine müssen von höchster Güte sein, um in unser Sortiment zu gelangen. Der persönliche Kontakt zu Winzern ermöglicht es mir, Informationen aus erster Hand zu bieten, die Sie von anderen Händlern nicht erhalten, weil diese fast alle ihre Weine von wenigen großen Importeuren beziehen. Das war vermutlich auch der Grund dafür, dass nur wir den Luberon rosé 2018 vom Weingut Canorgue in der Provence nicht als Château La Canorgue rosé, 2018 angeboten haben, sondern als La Canorgue rosé, Côtes du Luberon.
Andere Anbieter wußten vielleicht nicht, dass die Trauben für diesen Wein nicht aus den Weinbergen des Château Luberon, sondern von einem anderen Winzer in der Region stammten. 

Der Grund dafür geht zurück auf das Frühjahr 2018. Anfang Mai 2018, früh am Morgen, zerstörte ein heftiger Hagelsturm die Hälfte der Reben des Château La Canorgue. Am Abend des gleichen Tages zerstörte ein weiterer Hagelsturm fast alle Reben eines anderen Weinbergs. Insgesamt konnten deshalb im Jahr 2018 nur 30 % einer normalen Ernte eingebracht werden. Bei meinem Besuch des Weinguts konnte ich mir die betroffenen Weinberge ansehen, es war ein trauriger Anblick. Dabei sagte mir Winzer Jean-Pierre Margan, es träfe für kluge Landwirte immer noch zu, dass für solche Fälle eine Rücklage von Waren oder Geld im Wert von drei Ernten erforderlich sei um nicht in Konkurs zu gehen. Wir diskutierten die Möglichkeit ob es sinnvoll sein könnte, Trauben von einem anderen Bioweingut der Region hinzuzukaufen um daraus einen der wichtigsten Weine des Weingutes, den Rosé zu erzeugen. Der durfte dann allerdings nicht mehr Château La Canorgue heißen. Château ist gesetzlich nur Weinen vorbehalten, die in den Weinbergen des Château gewachsen sind. So musste der Rosé als "La Canorgue" angeboten werden. 
Die Entscheidung so vorzugehen fiel früh genug um die Pflege der Reben in den fremden Weinbergen zu übernehmen, den richtigen Erntezeitpunkt zu bestimmen und die Ernte selbst per Hand durchzuführen.

Alles Weitere ging seinen normalen Lauf. Herausgekommen ist ein Rosé mit frischen und komplexen Fruchtaromen, der bei der Millesime Bio 2019 in Montpellier eine Goldmedaille erhalten hat: 

Herzliche Grüße
Erich Hartl



Freitag, 18. Oktober 2019

Warum die besten Lebensmittel nicht die billigsten sein können

Erich Hartl hartl@weinpur.de http://www.biowein-pur.de/

In Frankreich werden aus den gelesenen Trauben 47 % Qualitätsweine, 36 % Landweine (IGP) und Tafelweine (Vins de France) gekeltert. Aus dem Rest wird Weinbrand destilliert. (Quelle: Vins et Société)
In Deutschland werden 96,3 % Qualitätsweine und 3,7 % Landweine gekeltert.(Quelle: Deutsches Weininstitut).
Vergleicht man darüber hinaus die Erntemenge pro Hektar in Hektolitern – 40,3 in Frankreich zu 88,2 in Deutschland, wird deutlich, dass die Anforderungen an einen Qualitätswein in Deutschland nicht sehr hoch sind.
Wie sagte kürzlich der Präsident des Deutschen Bauernverbands in der TV Sendung „hart aber fair“ ganz stolz? „Wir haben die besten und billigsten Lebensmittel“. Bravo? 
Es dürfte nicht schwer zu verstehen sein, dass hohe Erntemengen je Hektar Rebenfläche zu preisgünstigen Preisen, aber nicht zu hoher Weinqualität führen. Andererseits sind weder hohe Preise noch niedrige Erntemengen eine Garantie für gute Weine, sondern eher für eine gute Qualität der Trauben. Es bedarf noch eines guten Önologen und Kellermeisters um das Werk der Natur, sofern es um Biowein geht, in einen guten Biowein zu verwandeln. 
Zur Ehrenrettung des deutschen Weins sei gesagt, dass zahlreiche deutsche Qualitäts-orientiert arbeitende Winzer die erlaubte Erntemenge von 100 hl/Hektar um 40 oder mehr % reduzieren, übrigens auch unsere deutschen Biowinzer, wie das Ehepaar Neher aus dem Rheingau.
Jochen Neher und seine Frau Saynur Sonkaya-Neher bewirtschaften gemeinsam das Weingut Mohr in Lorch im Rheingau. Auf den steinigen schiefer- und quarzhaltigen Böden bauen sie Riesling, Weiss- und Spätburgunder, Muskateller, Silvaner und etwas Scheurebe an. Die Weine wachsen zum Teil in Steillagen, wo die Erträge niedriger und die Bearbeitung aufwendiger ist als in flachen Lagen. Ein guter Teil der Reben ist über 80 Jahre alt. Ihre tiefen Wurzeln liefern Mineralstoffe für die wenigen, aber gehaltvollen Trauben.
Die Ernte in den Steillagen sowie in den flachen Lagen wird von Hand gemacht. Sie liegt mit 20 bis 60 hl/Hektar - je nach Lage und Alter der Reben – weit unter den zulässigen 100 hl/Hektar.
Von der Qualität der Weine vom Weingut Mohr sind wir schon lange überzeugt. 
Probieren Sie selbst: 
Herzliche Grüße
Erich Hartl