Montag, 26. Oktober 2009

Bioweinbau und biologisch - dynamischer Weinbau

.
Bioweinbau

Der Begriff „biologischer“ oder „ökologischer Weinbau“ kann mit wenigen Worten als eine Arbeitsweise erklärt werden, bei der keine Mineraldünger, chemisch-synthetische und systemische Spritzmittel (Herbizide, Fungizide, Insektizide) verwendet werden. Demzufolge kann davon ausgegangen werden, dass diese größtenteils krebserregenden, oder im Verdacht stehenden Stoffe nicht in Weinen aus biologischen/ökologischem Anbau enthalten sind und auch nicht in das Grundwasser gelangen.

Es wäre jedoch naiv, zu glauben, dass deshalb alle auf dem Markt befindlichen Bioweine von besserer Qualität seien. Dieses Ziel kann nur mit weiteren qualitätsorientierten Schritten im Weinberg und Weinkeller erreicht werden.


Biologisch - dynamischer Weinbau

Die für den Bioweinbau geltenden Einschränkungen hinsichtlich der Verwendung von Chemikalien gelten ebenso für den biologisch-dynamischen Weinbau. Aus anthroposophischer Sicht ist Landwirtschaft und somit auch ein Weingut als eine individuelle Einheit mit einem ganz eigenen Biotop mit einer möglichst großen Artenvielfalt an Tieren, Vögeln, Insekten und Pflanzen zu verstehen. Dafür sollten möglichst viele unterschiedliche Pflanzen angebaut und Hecken und Bäume an Wegrändern gepflanzt werden. Die nachhaltige Bearbeitung und die Fruchtbarkeit der Böden wird durch die Haltung unterschiedlicher Nutztiere, vor allem Wiederkäuer (Rinder aber auch (Schafe, Pferde) im Verhältnis zur bearbeiteten Fläche gefördert. Der von den Nutztieren stammende Mist soll zusammen mit anderen anfallenden organischen Stoffen verkompostiert und als Dünger verwendet werden. In Ausnahmefällen darf Mist von anderen ökologisch arbeitenden Landwirten hinzugekauft werden.

Während die Umstellungsphase vom konventionellen (mit Chemie) auf Bioweinbau 2,5 – 3 Jahre dauert, sind für den biologisch-dynamischen Weinbau 6 – 7 Jahre vorgeschrieben. Erst dann sind die zuvor verwendeten Chemikalien im Boden abgebaut und die gewünschte Bodenvitalität mit ausreichenden Mikroorganismen erreicht. Der Grund für diese lange Umstellungsphase liegt in der These des Anthroposophen Rudolf Steiner, des Begründers der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, dass Pilzkrankheiten (sie verursachen im Weinbau die größten Schäden) der Pflanze das Ergebnis eines gestörten Gleichgewichts des Bodens und der Umgebung ist. Um dieses Gleichgewicht und eine gesunde Bodenfruchtbarkeit wieder zu erlangen, werden 8 biodynamische Präparate von den Landwirten meist selbst hergestellt und angewandt. Sie sind nummeriert von 500 – 507 und bestehen aus folgenden Bestandteilen:

500 Hornmist - Kuhmist wir in ein Kuhorn gefüllt und über den Winter im Boden vergraben, im Frühjahr mit Wasser in gleichmäßiger, kreisender Bewegung verrührt (diesen Vorgang, den man aus der Homöopathie kennt, nennt man dynamisieren) und in homöopathisch kleiner Menge im Weinberg zur Verbesserung des Bodens versprüht.

501 – Hornkiesel - fein gemahlener Bergkristall wird in ein Kuhhorn gefüllt und während des Sommers im Boden vergraben. Es wird während der nächsten Vegetationsphase mit Wasser dynamisiert und zur Verbesserung der Photosyntheseaktivität auf die Reben gesprüht.

Die Präparate 502 – 507 basieren auf Kompost, dem Blüten von Schafgarbe, Kamille, Löwenzahn sowie Eichenrinde in Pulverform oder als Presssaft von Baldrianblüten zugegeben werden um die Aktivität der Kleinlebewesen im Kompost zu erhöhen.

Im biologisch-dynamischen Weinbau werden zudem alle Arbeiten im Weinberg und im Keller unter Berücksichtung der kosmischen Rhythmen und dem Stand der Gestirne durchgeführt. Hierbei findet der Mondkalender mit Aussaattagen, Fruchttagen von Maria Thun Berücksichtigung.

Gemeinsam ist dem biologischen als auch dem biologisch-dynamischen Weinbau, dass die Verwendung von Kupfer und Schwefel zur Pilzbekämpfung in geringen Mengen erlaubt sind.

Aus unserer Erfahrung führt der Weg vieler Winzer zuerst vom konventionellen Weinbau zum biologischen und dann zum biologisch-dynamischen Weinbau. Nur wenige befassen sich allerdings so intensiv mit der Lehre Rudolf Steiners, der Anthroposophie und dem biologisch-dynamischen Weinbau wie Nicolas Joly. Wenn sich so große Namen wie so große Namen wie Madame Bize-Leroy von der Domaine Leroy, Romanée-Conti, Domaine Leflaive, Château Beaucastel, Domaine Marcoux, Peter Sissek, Perez Palacios, Bertrand Sourdais zum biologisch-dynamischen Weinbau bekennen und offen kundtun, dass diese Arbeitsweise die Qualität ihrer Weine weiter steigere, dann wird man ihnen dafür wohl kaum ideologische Gründe unterstellen können. Aus den gleichen pragmatischen Gründen betreiben unsere Winzer biologisch-dynamischen Weinbau. Es sind die Weingüter Fuchs-Jacobus, Sander und Stutz in Deutschland, sowie Domaine Eugen Meyer, Domaine Zusslin, Domaine de l’Ecu, Clos de la Coulée de Serrant,
Domaine Jean-Claude Rateau, Domaine de Marcoux, Château Falfas, Chateau Vieux Pourret in Frankreich die Fattoria Cerreto Libri in Italien und der Nikolaihof in Österreich. Sie gehören dem Demeterbund oder dem Verband für biologisch-dynamischenWeinbau „Biodyn“ an.

Wer mehr über den biologisch-dynamischen Weinbau erfahren möchte, dem empfehle ich das Buch „Beseelter Wein“ von Nicolas Joly.

Erich Hartl
hartl@weinpur.de
http://www.biowein-pur.de/
.

Kommentare:

anastasia hat gesagt…

Tolle Seite, man kann hier echt viel lernen. Ich werde auf jeden Fall häufiger vorbei schauen.

Michel Jordan hat gesagt…

Herzlichen Dank für Deine Antwort. Es freut mich dass Du gemerkt hast, dass es mir in meinem blog nicht nur um leeres Gerede, sondern um echte Information geht".
pp E.Hartl